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02 Zurück ins Mittelalter

in 01.10.2018 13:48
von muglsabine2016 • 273 Beiträge | 1537 Punkte






Zurück ins Mittelalter

Bild entfernt (keine Rechte) Am vergangenen Wochenende fiel die Stadt Aichach ins Mittelalter zurück. Edelleute, Ritter, Handwerker, Bauern und einfaches Gesinde waren zu bestaunen. Alle Besucher, ob nun gewandet oder in moderner Kleidung wurden, als sie durch eines der Tore die Stadt betraten um 600 Jahre zurückversetzt, in die Zeit des Wittelsbacher Herzogs Ludwig im Barte. Wir schreiben das Jahr 1418, als der Herzog die Verstärkung der Befestigungsanlagen in Auftrag gibt. Der Herzog weilte öfter in der Stadt, gründete 1620 einen Schutzbund von 61 Rittern und 16 Städten. Wenn der Herzog Aichach besuchte, ließ er sich von den Aichacher Wirten und Kaufleuten verköstigen. Es war eine Blütezeit für die Stadt und darin erinnern diese Festtage. Alle drei Jahre finden in Aichach die Mittelalterlichen Markttage statt und jedes steht unter einem eigenen Motto. Bei strahlendem Sonnenschein tauchten wir ein in die geheimnisvolle fremde Welt. Das Zentrum befand sich zwischen dem Oberen und Unteren Turm. In diesem Bereich standen Bühnen, auf denen Spielleyd, Gaukeley und Tanz geboten wurden. Mittelalterliche Musik und Tanz, Marionettentheater, Feuershows und Akrobatik entführten die Besucher ins Mittelalter.

Die Kaltenberger Moriskentänzer erzählten mit ihren grotesken Sprung- und Schreittänzen die Geschichte der edlen Dame. Die Tänzer versuchten springend, tanzend und kämpfend die Gunst der edlen Dame zu gewinnen. Die Wahl fiel schwer, doch zum Schluss muss sie sich für einen entscheiden und ihm den Ring geben. Ein wundervolles Spektakel.

Ein weiterer Höhepunkt waren die Furunkulus, eine vierköpfige Band, die mit ihrer Musik und Sackpfeifen und Perkussion sowie nachgebauten Instrumenten verzauberte und mitriss.

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Am unteren Stadtplatz zwischen dem gotischen Stadttor und dem historischen Rathaus beobachteten wir die verschiedenen Handwerker bei ihrer Arbeit. Besonders faszinierte mich die Papierherstellung. Geduldig beantwortete der junge Meister die Fragen der Umstehenden, zeigte wie Papier entsteht. Man durfte sich auch selbst ausprobieren. Wir erlebten wie der Hintergrund z.B. ein Siegel im Papier entsteht. Auch die Unterschiede zwischen Papier, Papyrus und Pergament erklärte er und das in einer anschaulichen Art und mit viel Humor. Außerdem konnten wir einem Feldschmied über die Schulter schauen und die Fingerfertigkeit der Korbflechterin bewundern. Natürlich gab es auch für die Damen wohlfeile Dinge wie Kämme und Bürsten zu erwerben. Überall duftete es nach Gebratenem. Da wurde ein Schwein gegrillt. Dort gab es Würste. Nebenan wurde gemostet. Alle priesen ihren Gaumenschmaus. Und hattest du genügend Taler dabei, konntest du essen und trinken nach Herzenslust.

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Betrat man jedoch die Zaubergasse, war Vorsicht geboten. Zaubererei, Magie und Akrobatik lauerten an jeder Ecke. Die Hexe Roxana entführte in eine Welt aus Tanz, Mystik, Artistik und die Kunst der Fakire. Als Spinnenfrau Elze begab sie sich kopfüber in ihr sechs Meter hohes Netz und bot faszinierende Artistik. Die Hexe Beltana, übrigens aus Aichach stammend, verzauberte mit ihren Zaubertränken Männer und Frauen, groß und klein. Wer die Zukunft wissen wollte, musste die Wahrsagerin besuchen, die dann ihre Glaskugel und die Karten befragte. Eine besondere Vorstellung bot der Medicus, Alchimist und Scharlatan al Corbo. Mit Unterstützung seines Gehilfen wurden Männer und Frauen von den skurrilsten Leiden kuriert. Ich muss es wissen, denn mein Mann begab sich in die Hände des Medicus, der sein Handwerk in fremden Landen erlernte. Mein Mann wurde von der Schwerhörigkeit geheilt. Er hört nun wieder jedes Wort, was manchmal nicht von Vorteil ist. Einer Jungfer entnahm er den Körpersaft, um andere zu heilen. Einen tiefen Schnitt kurierte er umgehend.


Nur in der Haut der Jungfer, der er den Kopf verdrehte, mochte ich nicht stecken. Die Behandlung war gar grausig anzuschauen. Aber auch im Mittelalter war das Begaffen ähnlich unserer heutigen Sensationslust weit verbreitet. Ich kann euch sagen, wohl schaurig war’s.

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Doch wer sich tatsächlicher Verbrechen strafbar, also gegen Recht und Ordnung verstoßen hatte, über den wurde in einer öffentlichen Gerichtsverhandlung Recht gesprochen. Es wurden ein Giftmord und ein Liebesprozess verhandelt. Fragt besser nicht nach den Strafen.
Außerhalb der Stadt, also rings um den Stadtkern lagerten die Ritter mit ihrem Gefolge. Da ging es hitzig her und das lag nicht nur an der Sonne. Natürlich gab es mutige Recken, die auf ihren edlen Pferden kämpften, Kämpfer, die mit Schwert und Morgenstern den Gegner besiegen wollten. Die Herzog Tassilo Ritter und Schiltberger Hofbergritter kämpften mehrmals täglich. Auch Greifvogelvorführungen und den Bogenschützenwettkampf sollten wir nicht verpassen. Als besondere Attraktion gab es am Freitag und Samstag jeweils ein spektakuläres Nachtturnier.


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Für die Kleinen bot das Mittelalterfest mehr als eine Attraktion. Im eigenen Kinderspectaculum konnten Kinder ihre eigenen Schwerter und Schilde bemalen, Schmuck basteln und auf Kamelen reiten. Sie konnten sich an einem großen Kinderturney beteiligen oder auf der Bühne den Propellermann bewundern. Darüber hinaus gab es Führungen durchs Ritter– und Handwerkerlager. Auf dem Festgelände verteilt gab es Marionettentheater mit dem Kiepenkaspar, Bogenschießen, Streichelzoo, Wittelsbacher Mäuseroulette, Specksteinschleifen, um nur einige der wundersamen Dinge zu nennen. Ein besonderes Schmankerl war ein Handkurbel-Karussell mitten auf dem Marktplatz. Da waren Muskelkraft aber auch Köpfchen gefragt.



Den ganzen Tag über hörte man die Trommeln und täglich fanden Umzüge mit den historischen Figuren statt. Als wir dann heimwärts fuhren, wähnte ich mich statt in meinem kleinen roten Teufelchen in einer 2 PS starken Kutsche mit rotem Samt und einem Kutscher. Die Eindrücke sind noch heute in meinem Kopf und werden in drei Jahren aus dem Unterbewusstsein geholt, wenn es dann wieder heißt: „Die Aichacher Markttage sind eröffnet!“
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zuletzt bearbeitet 11.04.2019 14:04 | nach oben springen


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