#1

Vorweihnachtliches Schweden

in
22.11.2018 20:46
von A. C. Greeley • 186 Beiträge | 915 Punkte


Bild entfernt (keine Rechte)

Midvinternattens köld är hård,

Stjärnorna gnistra och glimma.
Alla sova i enslig gård,
Djupt under midnattstimma.
Månen vandrar sin tysta ban,
Snön lyser vit på fur och gran,
Snön lyser vit på taken.
Endast tomten är vaken ...


Meine Übersetzung hier ist ein bisschen holprig, aber ich wollte einfach, dass es sich ein wenig besser reimt, also hab ich es so passend wie möglich abgeändert:

Die Kälte der Mittwinternacht ist rau,
die Sterne leuchten und funkeln
Alle schlafen im einsamen Bau,
Tief in dem nächtlichen Dunkeln.
Der Mond zieht ruhig seine Bahn,
Schnee leuchtet weiß auf Ficht‘ und Tann,
Schnee leuchtet weiß auf dem Dach,
Nur der Tomte ist wach ...


Das gesamte Gedicht ‚Tomten‘ oder auch ‚Midvinternattens köld är hård‘ stammt von Viktor Rydberg, ein schwedischer Dichter und Schriftsteller: Hier das gesamte Werk: Tomten

Na? Könnt ihr euch denken, wovon ich heute berichten möchte? *hehe* ja, genau. Die Adventzeit naht, also nehme ich euch heute auf einen kleinen vorwinterlichen Spaziergang in die mythische Welt der schwedischen Weihnacht mit.
In den Wäldern herumstreifen, über die Blätter laufen, vor einem alten Baumstumpf stehenbleiben, innehalten, die Augen kurz schließen, die Gerüche und die Geräusche aufnehmen und die Gedanken schweifen lassen. Klingt doch gut, nicht wahr? Hm, zumindest für einige von uns. Könnte natürlich sein, dass dein Begleiter diverse Bemerkungen macht, wie zum Beispiel:»Und? Wollen wir jetzt noch ein paar Bäume umarmen, oder vielleicht ein paar stimmungsvolle Wanderlieder anstimmen?« Womöglich noch untermalt mit einem kleinen Augenverdrehen und einem winzigen Lächeln. Naja, was soll man schon machen, wenn man mit einigen realistisch anmutenden, aber an und für sich sehr liebenswerten Gefährten gesegnet ist? Spätestens wenn irgendein Wanderlied angestimmt wird, sollte man den Plan aufgeben, seiner Fantasie zu sehr nachzugeben, sonst wirds komisch.

Aber jetzt entführe ich euch in eine besondere Fantasie-Welt, nämlich in die Welt des schwedischen ‚Jultomte‘, oder nennen wir sie besser ‚Jultomtar‘, denn von denen gibt es mehrere. Es gibt sie auf jedem ‚Tomt‘ also auf jedem Hof.
‚Tomt‘ charakterisiert einfach ein Zuhause. Etwas eigenes, etwas kleines, bescheidenes. Es kann ein Haus sein, oder ein Wohngebäude samt den dazugehörigen Grund und Wirtschaftsgebäuden. Also alles von Stallgebäuden bis hin zu Scheunen, Schobern und Ähnlichem.
Ein Tomt ist das Stück Land, das zur Familie gehört, oder zu dem die Familie gehört, je nach Betrachtungsweise – angereichert mit allen Traditionen und Mythen, Legenden und Märchen.
Die Tomts standen – oder stehen unter dem Schutz ihres eigenen ‚Gubbe‘.
Eine freundliche Bezeichnung für einen älteren Mann oder laut allen möglichen Überlieferungen aus Schweden: eines Gubbe und seiner Familie.
Klingt echt nett, oder? Aber ehe alle: »Jaja, Wichteln, eh klar. Sonst noch was?«, murmeln oder die euphorischeren unter euch vor vorweihnachtlicher Freude lauthals »Jö, die Wichtel!«, jubeln: Denkt an Nils Holgersson, der hat sich mit einem solchen Wesen angelegt und was ist mit ihm passiert? Jaja, genau ... er wurde von einem Tomte in einem Tomte verwandelt, nur ganz ohne dessen zauberhafte Fähigkeiten, also lieber etwas Vorsicht walten lassen – denn diese Kerlchen sind ziemlich grimmige Gesellen und äußerst schwer bei Laune zu halten!
Okay, weiter im Text:
Ein ‚tomt‘ steht also unter dem Schutz des ‚Gubbe, also des Gubbe vom Tomt‘ - aus dem wurde im heutigen Sprachgebrauch eben der ‚Tomte‘.
Sie leben also dort und und versorgten sich auch. Manchmal wohnten sie auch im Wald. Dafür gibts Beweise, denn die Baumstümpfe, denen man im Wald begegnet sind beim näheren Hinschauen nämlich getarnte Schornsteine. Da könnt ihr ruhig Kinder fragen, denn die sehen das, was Erwachsene nicht mehr sehen.
Meistens sind die Tomtar aber im Stall untergebracht – in der Nähe der Tiere über die sie auch ihre schützende Hand halten.
Wurde ein Tomte gut behandelt, unterstützte er bei der Arbeit am Hof.
Melken, Stall ausmisten, Holzhacken, beim Putzen und Backen, usw.
Besonders zu Weihnachten waren und sind die Bräuche von einer hohen Symbolik. Dabei gilt es unbedingt die Regeln des Zusammenlebens zu beachten.
Der Tomte erwartet auch heute noch als Zeichen der Dankbarkeit eine Schüssel ‚Julgröt‘. Eine Art Reisbrei aus Rundreiskörnern und am besten mit einem Klechs Butter darin und mit Zimt bestreut. Das lieben sie.
Die Schüssel sollte bestenfalls aus Holz sein, es geht aber auch ein anderes natürliches Material, nur bitte keine Metallschüssel. Nein, nicht weil er das nicht angreifen kann wie einige andere mythische Wesen, nein, nein – er kann sie einfach nicht leiden, das gilt auch für den Löffel. Und wenn man ihm eine extra Freude machen möchte, schenkt man ihm noch einen Krug ‚Julöl‘. Er ist eben ein Nordländer und die trinken alle gerne (ist natürlich Klischee, aber es klingt überzeugend, nicht wahr?).
Also denkt daran: Falls ihr ahnt, dass ihr ein solches Wesen beherbergt, bitte am 24. Dezember eine solche Schüssel herrichten, am besten dort hinstellen, wo er wohnt. Bei mir dürfte das am Balkon und/oder in meinem Wichtelzimmer sein. Die Schweden sind auch gar nicht überrascht, wenn sie am nächsten Tag die Schüssel leer vorfinden, also nicht wundern.
Ein verärgerter oder enttäuschter Tomte könnte unter Umständen den Hof/die Wohnung/das Haus verlassen, also Leute, bemüht euch! Denn das könnte das Glück empfindlich stören. Ansonsten sind die Tomtar natürlich mit der Zeit mitgegangen. Heute gibt es ganze Tomtefamilien auch in den Städten. Früher waren sie eher grau und unscheinbar gekleidet, heute sind sie zumindest an Festtagen und besonders zu Weihnachten in roten Gewändern zu sehen.
In Dänemark nennt man sie ‚Nisser‘ in unseren Breiten ‚Wichtel‘.
Es lohnt sich an diese Wesen zu glauben, denn es gilt eine mystische Welt zu erhalten – die Zeit der Vorfahren, die Zeit in der diese Wesen geholfen haben, die Traditionen hochzuhalten. Und natürlich die Zeit der Weihnachtsvorbereitungen (Julförberedelser). Das ist eine wunderschöne Zeit voller Geschichten, Wärme und Freude. Eine Zeit in der man sein Heim für Familie und Freunde offenhält und vielleicht für den einen oder anderen Fremden, der ein wenig Zuwendung braucht, ein bisschen Wärme in dieser kalten Zeit.

Die Wichtel/Nisser/Tomtar lehren uns Freude am Leben, Hilfsbereitschaft und Gastfreundschaft, Wärme und Geborgenheit – glauben wir an sie!!!


zuletzt bearbeitet 22.11.2018 20:47 | nach oben springen

#2

RE: Vorweihnachtliches Schweden

in
24.11.2018 13:48
von muglsabine2016 • 273 Beiträge | 1537 Punkte

Liebe Agnete,

vielen Dank für deine Einblicke in die mystische Welt der Tomte, über die ein eigenartiger Zauber liegt. Ich glaube, wir könnten viel mehr dieser Wesen in unserer Welt entdecken, wenn wir nur die Augen offenhalten. Also in diesem Sinne, werde ich gleich nachher ein Schälchen Reis auf den Speicher bringen.
Ein schöne Adventszeit wünscht Sabine


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