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08.Kleine Weihnachtsgeschichte zum Schmunzeln

in

• SHORTSTORIES
24.12.2019 15:02
von muglsabine2016 • 273 Beiträge | 1537 Punkte





Chaos in der Wichtelwerkstatt
by Sabine Siebert


Der Weihnachtsmann erwachte gerade aus seinem Nachmittagsnickerchen, als es zaghaft an der Tür klopfte.
„Herein“, rief der Weihnachtsmann mit seiner tiefen Stimme. „Ach du bist es, Kadenkel“, begrüßte der Alte den Wichtel mit der goldfarbenen Mütze. „Was führt dich um diese Zeit zu mir?“
Kadenkel humpelte näher und trat von einem Fuß auf den anderen.
„Äh, ich wollte etwas mit dir besprechen.“
„Nicht so zaghaft. Das ist doch gar nicht deine Art“, meinte der Weihnachtsmann zu seinem ersten Assistenten.
„Setz dich und rede offen.“
„Du weißt ja, lieber Weihnachtsmann, dass meine Augen und Ohren nicht mehr die Besten sind. Die Beine wollen nicht mehr und der Rücken schmerzt. Jetzt wo das neue Rentengesetz erlassen wurde, das es einem Weihnachtswichtel erlaubt, bereits mit einhundertfünfzig Jahren in Rente zu gehen, möchte ich das gerne in Anspruch nehmen.“
„Aber so alt bist du doch noch nicht?“, rief verwundert der Weihnachtsmann.
„Wir haben im Sommer doch meinen Geburtstag gefeiert. Erinnerst du dich?“
„Ja, schon. Aber es ist September und du wirst für das diesjährige Fest doch noch alles vorbereiten?“
„Eigentlich nicht. Ich habe lange mit meiner Frau gesprochen und sie hat mir zugeredet, dich um meine Entlassung zu bitten.“
„Wo soll ich denn jetzt so schnell einen Nachfolger für dich finden?“
„Es gibt drei Wichtel der Kategorie 1, Kawuschl, Dickadünn und Zvenschlingl.“
„Kann ich dich nicht umstimmen?“, fragte traurig der Weihnachtsmann.
Kadenkel schüttelte den Kopf: „Sei mir nicht böse. Aber ich habe dir mehr als dreißig Jahre als Assistent gedient und möchte gerne die goldene Mütze an einen jüngeren Wichtel weiterreichen.“
„Dann sei es so. Ich wähle einen Nachfolger und du übergibst ihm alles.“
Kadenkel verbeugte sich und schlich hinaus.
Der Weihnachtsmann ging zu seinem Schreibtisch und griff nach einem Ordner, der in der hintersten Schublade stand. Das Papier war verstaubt und die Schrift verblasst. Auf der ersten Seite stand in dicken Buchstaben „BEWERBUNGSUNTERLAGEN WEIHNACHTSMANNASSISTENT“.
„Passt mir überhaupt nicht“, brummte der Weihnachtsmann. „Drei Monate vor dem Fest habe ich andere Sorgen. Warum war nur dieses Gesetz erlassen wurden? Früher arbeitete ein Weihnachtswichtel bis zu seinem 175. Geburtstag. Aber heute war alles anders?“
Wütend warf er den Ordner auf den Tisch, ging an den Schrank mit den Personalakten und zog die Hefter der drei Kandidaten hervor. Er las in der ersten über Dickadünn, blätterte gelangweilt in den Akten von Kawuschl und Zvenschlingl.
„Muss mir selbst ein Bild machen“, murmelte er. Dann machte er sich auf den Weg in die Wichtelwerkstatt.

Das Weihnachtsgeschäft war in vollem Gange. In den Abteilungen wurde gebaut, gebastelt, verpackt und organisiert. Zuerst besuchte der Weihnachtsmann die Schreibwerkstatt. Dort saßen die verschiedenen Wichtel an ihren Schreibpulten und beantworteten die Briefe der Kinder. Hier war es still und jedes Geräusch wurde als störend empfunden. Auf einem Pult türmten sich die Briefe, der offene Füllfederhalter wartete auf seinen Besitzer. Der Weihnachtsmann fragte leise mit einem Blick auf den leeren Tisch: „Wer arbeitet hier?“
„Dickadünn“, antwortete der Wichtel am Nachbarpult und deutete mit einer Kopfbewegung in die Halle. Der Weihnachtsmann verließ die Schreibstube und sah einen kleinen drahtigen Wichtel, der mit einem anderen schwatzte. Dabei kicherten beide immer wieder. Der Weihnachtsmann hatte den beiden eine Weile zugesehen, als sie ihn bemerkten, aber keine Anstalten machten, ihren Geschäften nachzugehen. So zog der Alte weiter. Den Kandidaten Dickadünn strich er von der Bewerberliste. Nun wollte er Zvenschlingl in der Erfinderwerkstatt besuchen. Er kam in eine Halle, an deren Wänden Pläne von Robotern und Sternekriegern hingen. Ein Stück weiter sah er Baupläne für Puppenhäuser und Bauernhöfe. Und Zvenschlingl bastelte konzentriert an einem neuen Laserschwert für einen Jedi-Ritter. Er verglich seine Zeichnung mit dem halbfertigen Spielzeug, schüttelte den Kopf, schraubte hier und da und werkelte so lange an dem Teil, bis es genau seinen Vorstellungen entsprach. Den heimlichen Besucher hatte er nicht bemerkt und so ging dieser weiter in die Logistikabteilung, wo er Kawuschl beobachten wollte. Der Weihnachtsmann sah mit einem Blick, dass hier Ordnung herrschte. Fein säuberlich waren die Bestellscheine und Lieferscheine abgeheftet. Auf dem Schreibtisch von Kawuschl, dem Leiter dieser Abteilung, lagen die verschiedenen Stifte nach Farben sortiert in einer Box. Die Formulare waren in bunten Ablagen gestapelt. Die Stempel lagen fein geordnet auf einer Unterlage neben dem Stempelkissen. Kawuschl, der rothaarige Wichtel, dessen langer Bart ordentlich gepflegt auf seinem sauberen Hemd ruhte, schien alle Wichtelarbeiter im Blick zu haben. Als er den Weihnachtsmann erkannte, grüßte er ihn kurz, bevor er einen Arbeiter mit einem Leiterwagen voller Pakete zum Verladehof dirigierte.

In seinem Büro zurückgekehrt, schrieb der Weihnachtsmann zwei Einladungen für das morgige Vorstellungsgespräch. Dann rief er den Hilfswichtel Kleinfinger und trug ihm auf, die Einladungen zu Kawuschl und Zvenschlingl zu bringen. Zufrieden mit seinem Tagwerk ging er in den Speisesaal und ließ sich die gebratenen Würste mit Sauerkraut und Kartoffelpüree munden.

Am nächsten Morgen erschienen Zvenschlingl und Kawuschl pünktlich zum Gespräch. Da der Weihnachtsmann sich schon ein Bild von beiden gemacht hatte, ließ er sie nur drei Fragen beantworten. Zuerst war Kawuschl an der Reihe.
„Welche Aufgaben hat der Weihnachtsmannassistent zu erledigen?“, fragte der Weihnachtsmann.
„Er ist als Assistent das Bindeglied zwischen dir und den Wichteln der ersten Kategorie. Er lädt zu Besprechungen ein und lässt sich von den einzelnen Abteilungen berichten. Er unterstützt bei Fragen und Problemen.“
„Welche Stärken hast du und an welchen Schwächen musst du noch arbeiten?“, fragte der Weihnachtsmann weiter.
„Mir sind Ordnung und Harmonie sehr wichtig. Pünktlichkeit und Zielstrebigkeit sagt man mir nach und ich frage meine Kollegen nach ihrer Meinung. Meine Ziele übertrage ich gern auf andere und erwarte von den anderen Wichteln die gleiche Aufgabenerfüllung. Das stört manche. Ich liebe gutes Essen und besonders die Süßspeisen, das sieht man mir auch an.“
„Wenn du die Stelle bekommst, was würdest du als erstes verändern?“
Kawuschl antwortete in seiner ruhigen, bedächtigen Art: „Ich würde das gute Werk meines Vorgängers Kadenkel fortführen.“
„Ich habe mir ein Bild gemacht und du hast meine Fragen beantwortet. Vielen Dank.“
„Auch ich danke dir für das Gespräch“, verabschiedete sich Kawuschl.

Als Nächster kam Zvenschlingl zum Gespräch.
„Welche Aufgaben hat der Weihnachtsmannassistent?“, fragte der Weihnachtsmann.
„Er ist überall in den Abteilungen unterwegs, hat auf alles ein waches Auge und sorgt dafür, dass das Weihnachtsgeschäft fristgerecht und qualitativ hochwertig abläuft. Er nimmt dir alle Wege ab und ist morgens der Erste und abends der Letzte in der Werkstatt.
„Über welche Stärken verfügst du? Wo hast du Schwächen?“
„Ich bin zielstrebig, flexibel, erfinderisch, selbstsicher, verfüge über einen großen Erfahrungsschatz, …“
„Halt, halt, das ist genug“, meinte der Weihnachtsmann und vergaß nach den Schwächen zu fragen.
„Wenn du die Stelle bekommst, was würdest du als erstes verändern?“
Die Produktion und die Verpackungsabteilung würde ich vollständig umstellen und optimieren, so dass schneller, effektiver und kostengünstiger gearbeitet werden kann.“
Der Weihnachtsmann musste nicht lange überlegen. Zvenschlingls Antworten hatten ihn überzeugt und er stellte ihn sofort ein.

Noch am selben Tag legte Zvenschlingl seine Umstrukturierungspläne vor und holte sich die Genehmigung vom Weihnachtsmann. Am nächsten Morgen rief er die Wichtel der Abteilungen Produktion und Verpackung zusammen, legte ihnen die neuen Pläne vor und verteilte die Aufgaben. Den Einwurf eines erfahrenen Wichtels, dass drei Monate vor Weihnachten die Umsetzung unmöglich sei, tat Zvenschlingl als unnötige Bedenken und den Wichtel als Bedenkenträger ab. Die Wichtel verstummten und gingen an ihre Arbeit. Von morgens bis abends überprüfte Zvenschlingl die Umsetzung seiner Pläne und trieb die Wichtel zur Eile an. Die Weihnachtswichtel waren geduldig und arbeiteten mit, so gut es ging. Doch Zvenschlingl war nie zufrieden, lobte nicht, aber schimpfte, wenn etwas schief ging. Zehn Wochen vor Weihnachten reichte es den Wichteln. Sie gingen geschlossen zum Assistenten und wollten Mitspracherecht bei der Umgestaltung. Doch Zvenschlingl verwehrte ihnen das Gespräch. Da traten die Wichtel in den Streik. Als der Weihnachtsmann davon erfuhr, rief er seinen Assistenten zu sich: „Was machen wir denn jetzt? Die Geschenke müssen hergestellt und verpackt werden.“
„Keine Sorge“, beruhigte Zvenschlingl ihn. „Ich weiß, wo ich die fehlenden Arbeitskräfte herbekomme.“
„Wer soll uns helfen?“
„Ich hole die Osterhasen. Die haben zurzeit nichts zu tun und springen sicher gerne ein.“
Der Weihnachtsmann war skeptisch, hatte er doch bisher noch nie mit den Osterhasen zusammengearbeitet. Doch er staunte nicht schlecht, als bereits am nächsten Tag Zvenschlingl den Chef der Osterhasen in der Wichtelwerkstatt begrüßte. Nach einem kurzen Gespräch waren sie sich einig und am Nachmittag rückten die Hasen an. Beleidigt hatten sich die Weihnachtswichtel zurückgezogen.

Nachdem die Osterhasen Quartier bezogen hatten, begannen sie am nächsten Morgen nach den Anleitungen von Zvenschlingl zu arbeiten. Nach zwei Tagen rief der Weihnachtsmann seinen Assistenten zu sich: „Nun wie geht es mit den Hasen?“
„Sehr gut.“
„Wie weit sind sie?“
„Das kann ich nicht sagen. Der Ostenhasenchef hat sich vier Wochen kontrollfreie Zeit ausbedungen. Danach können wir ihre Arbeit begutachten.“
Wohl war dem Weihnachtsmann dabei nicht, aber was sollte er tun? Die Weihnachtswichtel wollten nicht nach den Plänen des neuen Assistenten arbeiten und er hatte Zvenschlingl ausgewählt. Dem Weihnachtsmann waren die Hände gebunden.

Die Weihnachtswichtel hatten unterdessen ihre geliebte Werkstatt geräumt. Sooft der Weihnachtsmann durch die große Halle schlich, sah er nicht einen seinen früheren Gehilfen. Auch Zvenschlingl scharwenzelte um die neuen Mitarbeiter herum, versuchte aus ihren Gesprächen wichtige Hinweise zu bekommen. Doch sobald die Osterhasen ihn sahen, plauderten sie über belanglose Dinge. Manche Hasen sprachen gar in ihrer Geheimsprache, so dass Zvenschlingl nichts verstand.

Endlich waren die vier Wochen vorüber und ein Besichtigungstermin vereinbart. Erwartungsvoll trafen der Weihnachtsmann und sein Assistent bei den Gehilfen ein. Der Chef der Osterhasen öffnete die Tür zur großen Halle. Er ließ den Weihnachtsmann und Zvenschlingl Platz nehmen und präsentierte das Ergebnis. An dem Tannenbaum, der in der Mitte der Halle noch von den Wichteln aufgestellt worden war, hingen rote, gelbe, blaue und grüne Eier. Unter dem Tannenbaum, wo immer die Krippe ihren Platz fand, war einen Hasenschule aufgebaut. Statt Schlittschuhen brachten die Hasen Rollschuhe und InlineSkater, Skier oder Schlitten fehlten komplett. Eingepackt waren die Geschenke in bunten Bögen, die grüne Wiesen mit bunten Nestern, Hasen und Schäfchen zierten. Der Weihnachtsmann war den Tränen nahe und Zvenschlingl stand mit hochrotem Kopf vor den Hasen. Was sollte nun aus Weihnachten werden?

Wütend stapfte der Weihnachtsmann in sein Büro. Mit hängendem Kopf folgte ihm sein Assistent. Kaum hatten sie die Tür geschlossen, schimpfte der Weihnachtsmann: „Eine Katastrophe. Was soll ich den Kindern an Heiligabend bringen?“
„Vielleicht kannst du einige Geschenke nutzen.“
„Im Winter Rollschuhe in Osterpapier? Wo denkst du hin? Schick die Hasen nach Hause, damit sie nicht noch mehr unnötige Geschenke basteln.“
Während Zvenschlingl in die Werkshalle ging, machte sich der Weihnachtsmann auf den Weg zum Hause seines ehemaligen Assistenten Kadenkel. Kaum hatte der Weihnachtsmann angeklopft, öffnete Kadenkels Frau die Tür und begrüßte den alten Herrn freundlich: „Guten Tag lieber Weihnachtsmann. Du siehst besorgt aus. Was können wir für dich tun?“
Der Weihnachtsmann schnaufte schwer: „Ist dein Mann daheim?“
„Sicher, er ist in seiner Werkstatt. Ich führe dich zu ihm.“
Sie stiegen die Stufen in den Keller hinunter. Die Tür zum Hobbykeller war nur angelehnt und sie hörten Stimmen und leises Lachen.
„Hat Kadenkel Besuch?“, fragte der Weihnachtsmann.
„Ja, ein paar alte Freunde sind da.“
Als sie den Raum betraten blickte der Weihnachtsmann verdutzt in die Gesichter seiner Abteilungsleiterwichtel. Sie werkelten und diskutierten über die schönste Verpackung eines Fußballs.
„Guten Tag Weihnachtsmann“, begrüßten sie ihn.
„Setz dich doch“, bot ihm Kadenkel einen gemütlichen Schaukelstuhl an.
„Was führt dich zu uns?“
„Was macht ihr denn hier?“, stotterte der Alte. „Kawuschl, Dickadünn und Kabändel, ihr seid hier und arbeitet?“
„Was sollten wir wohl sonst tun? Schließlich sorgen wir immer für die Weihnachtsgeschenke“, antwortete Kawuschl.
„Und in unserer Werkstatt dürfen wir das nicht“, ergänzte Dickadünn.
„Zvenschlingl beschäftigt lieber die Hasen“, maulte Kabändel, der Leiter der Geschenkverpackungsabteilung.
„Ich dachte, ihr wolltet nicht mehr für Weihnachten arbeiten?“, fragte der Weihnachtsmann.
„Weihnachtswichtel arbeiten immer für das große Fest und dich, lieber Weihnachtsmann“, erklärte Kadenkel.
„Aber ihr streikt.“
„Dein neuer Assistent meinte, er müsse alles ändern, ohne uns nach unserer Meinung zu fragen. Das konnten wir nicht hinnehmen. Aber glaubst du wirklich, wir würden dich und die Kinder im Stich lassen?“, stellte Kawuschl klar.
„Niemals“, bekräftigten Kabändel und Dickadünn.
„Aber was sollen wir nun tun?“, lamentierte der Weihnachtsmann. „Es bleiben nur noch wenige Wochen, um alles fertig zu bekommen.“
„Mach dir keine Gedanken“, beruhigte Kawuschl ihn. „Alle Wichtel haben weiter gearbeitet und die Geschenke sind fast fertig.“
„Ihr seid wunderbar“, lobte der Alte. „Das muss ich sofort Zvenschlingl erzählen.“
„Für ihn haben wir das nicht getan, sondern für die Kinder und für dich“, gab Kabändel zu bedenken.
„Ich danke euch. Bitte sagt allen Wichteln, sie sollen morgen alle wieder in die Wichtelwerkstatt kommen.“
„Aber wir arbeiten weder mit den Osterhasen noch lassen wir uns von deinem neuen Assistenten herumkommandieren“, ergänzte Dickadünn.
„Macht euch keine Sorgen. Ich kläre das.“

Leichten Herzens und frohen Mutes lief der Weihnachtsmann zurück in die Werkstatt. Die ersten Hasen kamen ihm bereits mit böser Miene entgegen.
„Unverschämtheit“, schimpfte ein alter Hase. „Da hilft man, tut was man kann und wird dann rausgeschmissen.“
In der Halle sah er Zvenschlingl mit dem Osterhasenchef heftig diskutieren. Der Hase tippte dem Wichtel mit der Pfote gegen die Brust und meckerte: „Das lassen wir uns nicht gefallen. Meine Hasen haben fleißig gearbeitet. Und nun heißt es, wir haben alles falsch gemacht. Das wird ein Nachspiel haben.“
„Beruhige dich, lieber Osterhase“, meinte besänftigend der Weihnachtsmann. „Lass uns über alles in Ruhe morgen reden. Ich glaube, wir haben uns missverstanden.“
„Meinetwegen“, brummelte der Hase und flitzte ohne ein weiteres Wort seinen Kollegen hinterher.
„Was ist los?“, wollte Zvenschlingl wissen. „Du hast doch gesagt, dass ich sie fortschicken soll.“
„Ja schon. Doch wir haben eine Lösung für unser Problem. Morgen kommen alle Wichtel zur Arbeit und bringen Geschenke mit, die sie während des Streiks gebastelt haben. Doch wir zwei müssen uns mal unterhalten.“
Der Weihnachtsmann legte seinem Assistenten die Hand auf die Schulter und nahm ihn mit in sein Büro. Dort sprachen sie bis zum Abend miteinander.

Am nächsten Morgen, es war der Nikolaustag, kamen die Wichtel in die Werkstatt. In der Nacht hatte es geschneit und das ganze Weihnachtsdorf lag unter einer weißen Decke. Auf Schlitten hatten die Wichtel herrliche Weihnachtsgeschenke aufgetürmt. Gemeinsam schoben und zogen sie die voll beladenen Schlitten und passten auf, dass keine Schachtel zu Boden fiel. Vor der Halle begrüßten der Weihnachtsmann und sein Assistent die Gruppe.
„Liebe Wichtelkollegen“, begann Zvenschlingl. „Ich kann euch gar nicht sagen, wie froh ich bin, euch wieder zu sehen. Danke, dass ihr so fleißig ward und uns aus der Patsche helft.“
Ein Brummen ging durch die Runde.
„Lasst ihn weiterreden“, mahnte der Weihnachtsmann.
„Es tut mir leid, dass ich von meiner neuen Aufgabe so fasziniert war und meine Änderungen unbedingt durchsetzen wollte, so dass ich dabei eure Warnungen überhört habe. Ich wollte wirklich nichts böses, sondern euch die Arbeit erleichtern. Aber ich habe bemerkt, dass ich nicht zum Assistenten tauge. Viel lieber tüftele ich in meinem Kämmerchen herum. Deshalb gebe ich die Verantwortung ab.“
Damit nahm er seine goldene Wichtelmütze ab und gab sie dem Weihnachtsmann zurück.

Wieder ging ein Gemurmel durch die Reihen.
„Wie soll es nun weitergehen ohne einen Assistenten?“, fragte ein junger Hilfswichtel.
„Wer wird uns helfen die Termine einzuhalten?“, fragte ein Wichtel mit langem weißem Bart.
„Kommt Kadenkel zurück?“, rief einer aus der Menge.
Der Weihnachtsmann hob die Hände und bat um Ruhe. „Nein. Kadenkel kommt nicht zurück. Aber ich möchte dich, Kawuschl, bitten, diese Aufgabe zu übernehmen.“
Sofort hatte sich ein kleiner Halbkreis um Kawuschl gebildet. Der neben ihm stehende Kadenkel zwinkerte ihm zu und schob ihn sanft nach vorne. Der Weihnachtsmann nickte ihm ebenfalls freundlich zu wiederholte seine Frage. Die Wichtel klatschten vor Freude in die Hände.
„Bitte tu mir den Gefallen und sag ja“, bat der Weihnachtsmann inständig. Jetzt johlten die Weihnachtswichtel. Kawuschl wurde von den Ohren bis zum Nasenspitzel so rot, wie seine Haare und nickte schüchtern. Der Weihnachtsmann setzte ihm die goldene Wichtelmütze auf und schlug ihm anerkennend auf die Schulter. Als Nächster gratulierte ihm Zvenschlingl.
Als sich Kawuschl von dem Schock erholt hatte, sprach er: „Liebe Freunde, die Zeit drängt und wenn bis zum Fest alles fertig sein soll, brauche ich die Hilfe von euch allen.“
Ein stürmischer Jubel unterbrach seine Rede.
„Ja, ja. Natürlich“, ertönte es aus vielen Kehlen. „Ganz besonders möchte ich dich, Zvenschlingl und dich, Kadenkel um eure Unterstützung bitten.“
Beide nickten.
„Dann lasst uns sofort beginnen!“, beendete der neue Assistent seine Antrittsrede.

In den nächsten Tagen arbeiteten die Wichtel von früh bis spät, um die Wünsche aller Kinder zu erfüllen. Überall hörte man es klopfen, hämmern, Papier rascheln und ungeduldige Rufe: „Aus dem Weg“, wenn die Logistikwichtel die fertigen Geschenke ins Lager fuhren. Kawuschl arbeitete die Checklisten ab und als Heiligabend alle Geschenke auf dem großen Schlitten verpackt waren, war für jedes Kind das Gewünschte dabei. Erschöpft aber glücklich winkten alle Weihnachtswichtel dem davon rauschenden Weihnachtsmann in seinem Schlitten nach.

„Ihr habt hervorragende Arbeit geleistet“, bedankte sich Kawuschl bei den Wichteln. „Und wenn morgen der Weihnachtsmann von seiner Reise zurückkehrt ist, feiern wir auch ein Fest.“

Bereits am frühen Morgen wuselte Kawuschl durch die Hallen, sprach mit den Wichtelfrauen und Männern in der Kantine und verschwand immer wieder in seinem Büro. Punkt zwölf Uhr kamen der Weihnachtsmann und die Wichtel mit ihren Familien an. Sie staunten, als sie die mit Kerzen, Tannenzweigen und Spitzendecken geschmückten Tische sahen. Als sich alle gesetzt hatten, waren noch drei große Tische frei.
„Oh Kawuschl“, meinte der Weihnachtsmann, „da hast du dich aber gehörig verzählt.“
„Das glaube ich nicht“, antwortete der Assistent und schielte dabei zu Zvenschlingl rüber. Dieser nickte unmerklich.
Bevor der Weihnachtsmann weiter sprechen konnte, klopfte es und die Osterhasen spazierten herein, an ihrer Spitze der Osterhasenchef. Er ging auf Kawuschl zu und rief: „Vielen Dank für die Einladung zur Feier. Wir sind gerne gekommen.“
Jetzt lachte auch der Weihnachtsmann. „Da hast du dir was tolles einfallen lassen“, lobte er Kawuschl.
„Das war unsere gemeinsame Idee“, antwortete dieser und zeigte auf Zvenschlingl.
„Sozusagen als kleine Versöhnung“, ergänzte Zvenschlingl.
Der Weihnachtsmann erzählte seine Erlebnisse von der diesjährigen Bescherung und wie sehr sich die Kinder über die Geschenke gefreut hatten. Gemeinsam feierten Hasen und Wichtel bis in die frühen Morgenstunden. Zvenschlingl verabschiedete sich vom Osterhasenchef: „Und wenn ihr einmal unsere Hilfe braucht, sind wir zur Stelle.“
„Besser nicht, sonst werden unsere Ostereier mit Tannenbäumen und Kugeln verziert.“
Der Rest der Antwort ging im allgemeinen Gelächter unter.
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zuletzt bearbeitet 01.04.2020 14:59 | nach oben springen


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