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Der erste Friseurbesuch

in KINDERGESCHICHTEN
20.08.2021 19:34
von muglsabine2016 • 273 Beiträge | 1537 Punkte

Der erste Friseurbesuch
von Sabine Siebert
„Nur noch fünfmal schlafen, dann darfst du in den Kindergarten“, sagt die Mama. Florian ist schon ganz aufgeregt. Er freut sich, bald mit den anderen Kindern um die Wette zu laufen, sich zu verstecken und auf der großen Gartenschaukel wild zu schaukeln. Er kann den anderen zeigen, wie man Häuser aus Bausteinen baut. Florian ist mutig und hat vor nichts Angst, na ja vor fast nichts. Da gibt es noch eine Sache, die ihm ein wenig aber nur ein klein wenig Angst macht. Die Mama hat gesagt: „Flo, bevor du mit den Kindern spielen kannst, müssen wir zum Friseur und deine Haare schneiden lassen. Die sind viel zu lang.“ Florian ist drei Jahre alt und hat lange blonde Locken, die ihn an den Ohren kitzeln, seinen Hals streicheln oder seine Nase streifen. Noch nie war Flo beim Friseur. Bisher hat seine Mama einfach die Locken abgeschnitten. Aber sie sagt: „Das geht jetzt nicht mehr. Wenn du zu den Kindern gehst, musst du ordentlich aussehen. Das kann nur ein Friseur.“
Jetzt liegt Flo in seinem Bett und kann nicht einschlafen. Er hält seinen Teddy im Arm und Teddy spürt die Angst. Flo und Teddy sind beste Freunde und Freunde erzählen sich alles. „Was ist los?“, fragt Teddy. „Mama hat gesagt, wir gehen zum Friseur. Ich weiß nicht, was der Friseur mit mir macht.“, flüstert Flo. „Keine Angst“, macht Teddy ihm Mut. „Ich werde selbst zum Friseur gehen und mit eigenen Augen sehen, was dort gemacht wird. „Das tust du für mich?“, fragt Flo. „Aber ja“, nickt Teddy. Jetzt kann Flo einschlafen und Teddy macht sich auf den Weg zum Friseur Superschnitt. Schon bald kommt er am Geschäft an. Er hat Glück, die Straßenlaterne scheint ins Schaufenster und Teddy sieht Waschtische und Stühle. Wenn er sich alles genau anschauen will, muss er hinein. Er läuft um das Haus und sucht nach einem Eingang. Schon bald hat er Glück und findet ein Fenster, das nur angelehnt ist. Er drückt das Fenster auf und schiebt sich mit seinem dicken Bauch hinein. Geschickt klettert er vom Fenstersims auf einen Tisch. „Geschafft“, murmelt Teddy. „Nun muss ich nur noch erkunden, was hier gemacht wird.“ „Wer bist denn du?“, hört Teddy eine tiefe Stimme und erschrickt. „Wer bist du?“, fragt Teddy. „Ich sehe dich nicht.“ „Komm hierher. Ich stehe in die Ecke.“ Teddy tapst zu der Stimme und steht plötzlich vor einem Stuhl, aber nicht vor irgendeinem, sondern einem ganz besonderen. Der Stuhl hat die Form eines Teddybären, kein Plüschbär sondern aus Plastik. „Was machst du hier?“, will der Bärenstuhl wissen. „Mein Freund Flo soll zum Haare schneiden herkommen. Und ich muss wissen, was genau der Friseur hier mit ihm macht.“
Der Teddystuhl lacht laut: „Da bist du bei mir genau richtig. Setz dich hin und höre zu. Der Friseur hier ist eine Frau und heißt Silvia. Wenn Florian in den Laden kommt, gibt Silvia ihm die Hand und nimmt ihm die Jacke ab. Dann setzt sie Flo zu mir und wir sehen uns beide im Spiegel. Silvia bindet Flo einen gelben Frisierumhang um. Der ist fast wie ein großes Lätzchen und in der Mitte hat er ein knallrotes Auto. Es ist wichtig, dass der Umhang eng am Hals anliegt, damit später keine abgeschnittenen Haare in Flo’s Pulloverausschnitt rutschen. Dort würden sie ihn nur ärgern. Dann feuchtet Silvia mit einem nassen Kamm die Haare an. Das macht sie auch, damit die abgeschnittenen Locken nachher nicht kitzeln. Ganz vorsichtig schneidet sie mit ihrer Schere die Haarspitzen ab, ringsherum, damit Flo hinterher schön aussieht. Keine Locke fällt ihm dann mehr ins Gesicht oder kitzelt sein Ohr. Flo kann die ganze Zeit Silvia beobachten. Sie macht das ganz toll. Zum Schluss nimmt sie ihm den Umhang ab. Flo klettert von mir runter. Er betrachtet sich im Spiegel und Silvia hält einen zweiten Spiegel, damit Flo sich ringsherum bestaunen kann. Die Mama ist begeistert. Flo bekommt seine Jacke und geht mit der Mama heim. Es tut nicht weh, es ziept und kitzelt nicht und Flo ist nun ein Kindergartenkind.“ „So einfach ist das?“, fragt Teddy und strahlt. „Danke Stuhl. Jetzt gehe ich heim und erzähle morgen früh alles Flo.“ Teddy macht sich auf den Weg und kommt gerade heim als Flo erwacht. „Es tut überhaupt nicht weh.“ Teddy erzählt Flo, alles was ihm der Stuhl berichtet hat. Jetzt ist Flo beruhigt und drückt seinen Teddy fest an sich. Als er später mit der Mama zum Friseur geht, ist auch Teddy dabei. Alles passiert genauso, wie der Stuhl es erzählt hat. Zum Schluss darf sich Flo aus einem großen Glas einen Lutscher und Gummibärchen nehmen. „So ein tapferer Junge“, sagt Silvia und lächelt. Stolz gehen Flo, Teddy und Mama heim. Nachts träumt Flo, wie er mit allen Kindergartenkindern im Friseurgeschäft ist und er ihnen erzählt, was Silvia hier macht.


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